Tabuthema Tod

Der Tod gehört zum Leben. Doch in der modernen Gesellschaft wird dieses Thema immer mehr verdrängt.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde einem Toten die letzte Ehre im Kreis der Familie erwiesen. Der Pfarrer oder die Gemeindeschwester standen am Kopfende des Sarges und lasen Gebete und Abschiedsworte. Selbst Kinder wurden vom Anblick des Verstorbenen nicht fern gehalten. Daran war nichts Befremdliches, nichts Traumatisches. Es gehörte einfach mit zum Leben.

Heute sterben die meisten Menschen im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Nur selten nimmt die ganze Familie Abschied. Auch wenn der Tote im eigenen Haus liegt und in vertrauter Umgebung gestorben ist, dürfen Kinder oft nicht selbst Abschied nehmen.
Aber auch Erwachsene halten eine viel größere Distanz zum Tod und anonymisieren das Thema. Nie zuvor gab es so viele anonyme Beerdigungen wie in unserer Zeit. Nicht selten spricht man inzwischen von „Verschacher-Mentalität“ - nicht zuletzt wegen des finanziellen Aspekts.

Eine Beisetzung ist mehr, als nur ein religiöses Ritual oder ein Stück Kultur. Für das Unterbewusstsein ist es vielmehr die Möglichkeit Abschied zu nehmen und der inneren Trauer ein Ventil zu geben, um schließlich loslassen zu können. Dazu gehören ein Platz, an dem man gedenken kann und Angehörige, die die Gefühle teilen können. Auch Symbole (Grabstein, Kranz, Schale, Erde, Grabbeigaben) helfen das Empfinden auszudrücken und herauszulassen.
Es ist psychologisch gefährlich, durch Spendenaufrufe und damit verbundenem Blumenverzicht, den Hinterbliebenen diese Rituale zu nehmen.

Wie gesagt: Der Tod gehört zum Leben.

Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren.

Seume